Aktuelles

14.08.2020

„Heimatvertriebene und ihre Nachkommen“
Das Museum Ober-Ramstadt zu Gast in der katholischen Pfarrgemeinde „St. Pankratius Modau“

Egerer Pärchen

Die kath. Pfarrgemeinde in Ober-Modau wurde nach dem Krieg von den Heimatvertriebenen, überwiegend aus dem Sudetenland und Schlesien aufgebaut. Nachdem das Museum für einige Zeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen wird, könnte es also keinen besseren Ort für eine Ausstellung als Ober-Modau geben, um über die Nachkommen der Heimatvertriebenen zu berichten. Über die Geschehnisse der Vertreibung fand 2008 bereits eine Ausstellung im Museum Ober-Ramstadt statt, die von Oskar Girschick und Otto Weber gezeigt wurde, und zu der es ein wunderbares Begleitbuch gibt. Darauf aufbauend, aber vor allem aus der Sicht der Nachkommen, hat Birgit Baumann nun eine neue Ausstellung zusammengestellt. Diese beleuchtet die Schönheit der „alten Heimat“ (überwiegend des Egerlandes) und wird durch viele Erlebnisberichte sehr lebendig und anschaulich dargestellt. In einer eigens dafür vorgesehenen gemütlichen Lese-Ecke kann der Besucher in aller Ruhe in ein sehr bewegtes 20. Jahrhundert eintauchen. Zudem kommen die sogenannten „Spätaussiedler“ zu Wort, von denen bislang nur wenig zu hören war, die aber heute einen Großteil der kath. Kirchengemeinde in Modau darstellen.

Ein Rahmenprogramm sieht vor, dass es an verschiedenen Sonntagen Erzählcafés geben wird, bei denen Zeitzeugen anwesend sind. Wir hoffen dadurch auf einen regen Gesprächsaus-tausch.

Ein ganz besonderes Highlight ist ein „Heimatabend“ mit Egerländer Musik und Gedichten aus der alten Heimat. Eine „Schubert-Messe“, zelebriert durch Herrn Pfarrer Jolie, geht diesem Abend voraus.

Termine zu den Veranstaltungen werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Ausstellungsort ist das Holzhaus bei der Katholischen Kirche,
An der Modau 5, 64372 Ober-Ramstadt / Modau.

Ausstellungsbeginn ist am 15. August 2020, dem Fest „Maria Himmelfahrt“.

Auch in der alten Heimat, im Egerland, war Maria Himmelfahrt ein ganz besonderer Tag, denn die Kirche aus dem Kirchsprengel Welchau mit den Orten Wickwitz, Jokes, Petersdorf, Lappersdorf und Burgstadl, von dem viele der Modauer, Ober-Ramstädter und Pfungstädter Nachfahren abstammen, trug den Namen Maria Himmelfahrt und war das Patronatsfest.

Aus aktuellem Anlass ist die Ausstellung nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung zu besichtigen. Bei dieser Gelegenheit können Interessierte auch etwas über die Geschichte der Kirche St. Pankratius erfahren und diese besichtigen.

Anmeldungen bei Birgit Baumann Tel. 06167/456


06.07.2020

Otto Weber – im Gedenken an eine Ausnahmepersönlichkeit

Am 08. Juli 2020 hätte Otto Weber seinen 80 Geburtstag feiern können. Jedoch ist er völlig unerwartet am 21. Mai 2017 verstorben. Dem Verein für Heimatgeschichte ist es ein Anliegen, diesen Tag zu nutzen, um an ihn zu erinnern.

Otto Weber hat fast sein gesamtes Leben in Ober-Ramstadt verbracht. Nach seinem Studium arbeitete er beim FTZ, dem ehemaligen Fernmeldetechnischen Zentralamt in Darmstadt.

Schon früh entwickelte er das Sammeln von alten „Schätzen“ zu seiner Passion, und die Beschäftigung mit lokaler Geschichte in vielen Facetten zu seiner Leidenschaft.

Er war lange Jahre Vorsitzender des Denkmalschutzbeirates, und hat in dieser Funktion etliche alte Gebäude vor dem Abriss gerettet, das vielleicht prominentestes Objekt ist die Hammermühle in Ober-Ramstadt.

1963 war er Mitinitiator für die Gründung des Vereins für Heimatgeschichte und der Einrichtung des Museums im alten Rathaus. Mehr als 50 Jahre leitete er das Museum, und war darüber hinaus auch 25 Jahre Vorsitzender dieses Vereins.

Seine besondere Gabe war es, aus Dingen, an denen manch anderer einfach vorbeigegangen ist oder die jedermann einfach benutzt, eine Geschichte und ein Thema für eine Ausstellung im Museum zu erarbeiten. Aus dem Thema der Kammfertigung in Ober-Ramstadt entstand die Ausstellung zur Kammmacherei und Kunststoffverarbeitung. Da im Landkreis Darmstadt-Dieburg die Kunststoffverarbeitung auf eine mehr als hundertjährige Tradition zurückblicken kann und auch heute noch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor in der Region ist, hat Otto Weber die Idee der Kunststoffstrasse entwickelt, die, heute vom Landkreis Darmstadt-Dieburg betrieben, in Ihrer Art einzigartig ist und Museen und Unternehmen in der Region verbindet, um gemeinsam das Thema Kunststoffe darzustellen.

Otto Weber war 1977 auch einer der Mitbegründer der Lichtenberggesellschaft, die sich dem Leben und Wirken von Georg Christoph Lichtenberg widmet.

Ihm war stets das Ergebnis seiner Arbeit viel wichtiger als Orden und Auszeichnungen, und gerade in der lokalen Politik haben ihn auch viele Politiker als unbequemen Mitbürger kennengelernt, kämpfte er doch vehement für seine Sache.

Otto Webers Lebenswerk hat Ober-Ramstadt nachhaltig geprägt. Um dieses Lebenswerk zu ehren, hat die Stadt Ober-Ramstadt den Platz vor dem Museum in Otto-Weber-Anlage umbenannt. Das Museum hat damit auch eine neue postalische Anschrift bekommen. Vielleicht hätte Otto Weber selbst dagegen protestiert?

Als sehr passend zu der Ausnahmepersönlichkeit Otto Weber kann ein Aphorismus Lichtenbergs zitiert werden: Eine einzige Seele war für seinen Leib zu wenig, er hätte zwoen zu tun genug geben können.



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