Sonderausstellungen

„Lichtenbergs Sterne“
1777 – Entdeckung der Lichtenbergischen Figuren

 

„Ihre Sterne werden dereinst noch in der Nacht der Elektrizität leuchten“ schrieb André de Luc seinem wissenschaftlichen Kollegen und Briefpartner Georg Christoph Lichtenberg über dessen Entdeckung der nach ihm benannten Lichtenbergischen Figuren, auch Lichtenbergsche Figuren oder in neuerer Zeit Lichtenberg-Figuren genannt.
 
Durch Zufall entdeckte Lichtenberg beim Abschleifen der Harzplatte seines Elektrophors die nach ihm benannten Figuren. Er nannte sie „Staubfiguren“ oder auch „elektrische Figuren“. Mit diesen Figuren gelang ihm eine Entdeckung großer Tragweite, die von der Anwendung im modernen Trockenkopierverfahren bis zur Theorie der Fraktale reicht.
 
Lichtenbergs eigene Beschreibung über die Entdeckung der Figuren:
„Zu Beginn des Frühlings des Jahres 1777 war mein Elektrophor gerade fertiggestellt. In meinem Zimmer war noch alles voll von feinstem Harzstaub, der beim Abhobeln und Glätten des Kuchens und Deckels emporgestiegen war und sich später an die Wände und auf die Bücher gelegt hatte. Entstand eine Luftbewegung, so setzte er sich zu meinem großen Verdruß oft auf den Deckel des Elektrophors nieder. Aber erst nachdem ich den Deckel des öfteren an der Decke des Zimmers aufgehängt hatte, da geschah es einmal, daß sich der Staub auf den Kuchen niedersetzte und ich ihn nun nicht, wie es vorher auf dem Deckel geschehen war, gleichmäßig bedeckte, sondern sich zu meiner größten Freude an bestimmten Stellen zu Sternchen anordnete. Sie waren zwar anfangs matt und schwer zu sehen; als ich aber absichtlich mehr Staub aufstreute, wurden sie sehr deutlich und schön und glichen oft einer erhabenen Arbeit. Es zeigten sich bisweilen fast unzählige Sterne, Milchstraßen und größere Sonnen. Die Bogen waren an ihrer konkaven Seite matt, an ihrer konvexen Seite mannigfaltig mit Strahlen verziert. Herrliche kleine Ästchen entstanden, denen ähnlich, die der Frost an den Fensterscheiben hervorbringt; kleine Wolken in den mannigfaltigsten Formen und Graden der Schattierung und endlich mancherlei Figuren von besonderer Gestalt waren zu sehen.“
 
Georg Christoph Lichtenberg war im 18. Jahrhundert über die Grenzen Deutschlands hinaus der bekannteste Experimentalphysiker. Er beschäftigte sich mit allen Neuerungen und auch Phänomenen seiner Zeit. Die Lichtenbergischen Figuren sind jedoch die einzige Entdeckung, die seinen Namen trägt. Das Jahr 1777 – 240 Jahre nach dieser Entdeckung – ist für uns Anlass, mit einer Ausstellung darauf hinzuweisen.
 
Ausstellungseröffnung: 05.11.2017, 15.00 Uhr, im Lichtenbergzimmer des Museums Ober-Ramstadt
Begrüßung: Heinrich Lautz – Einführung: Martel Döring–

Dauer: 05.11.2017 – 28.10.2018