Sonderausstellungen

Am 16.09.2018 wird um 15:00 Uhr im Otto-Weber-Saal des Museums Ober-Ramstadt die Sonderausstellung 

„Kunststoffe bewegen“

 durch den 1. Vorsitzenden des Vereins für Heimatgeschichte eröffnet. 

Kunststoff ist ein Werkstoff, der „die Welt bewegt“, und das in vielerlei Hinsicht. Mit der zunehmenden Mobilität des Menschen entstanden und entstehen immer neue Einsatzgebiete für Kunststoffe, findet doch die industrielle Nutzung von Kunststoffen fast zeitgleich mit der Entwicklung des Automobils und des Flugzeuges statt. Besonders im Automobilbau tätig war mit Ihren Kunststoffprodukten die Firma Wacker und Doerr, die mit Ihrem Produktionsgebäuden auf Ober-Ramstädter Gemarkung lag, jedoch den Verwaltungsgebäuden auf Nieder-Ramstädter Gemarkung angesiedelt waren. Heute wird ein Teil der Produktpalette von der Firma Roland Merz weiterhin produziert, Kunststoff aus Ober-Ramstadt bewegt also weiter, und zwar weltweit!

Aber auch andere Branche profitieren von der immer größer werdenden Vielfalt an Kunststoffen. Ohne Kunststoffe wäre die Verbreitung der Elektrizität bei weitem nicht so schnell verlaufen wie dank dieses Materials, das Anfang des vorhergehenden Jahrhunderts die Installation für jedermann erschwinglich machten.

Kunststoffe haben auch in anderer Form „die Welt bewegt“. Zelluloid, eine Mischung aus Zellulosenitrat und Campher, war der Ausgangsstoff für Filme, und hat damit den Boom der Filmindustrie in den 30er Jahren (z.B. Babelsberg in Deutschland) und 40er/50er Jahren (Hollywood) erst möglich gemacht. Die auf Filmen aus Zelluloid eingefangenen Träume haben sicherlich viele Herzen bewegt. Möglich gemacht haben das unter anderem Produkte der Firma Buko, deren Filmperforationsmaschinen weltweit führend waren, fast die gesamte „Traumindustrie“ der westlichen Welt war mit diesen Maschinen aus Ober-Ramstadt ausgerüstet.

Die Firma Carl Schneider KG aus Rohrbach hat in Ihrer Produktpalette Tonbandspulen und Gehäuse für Kompaktkassetten gehabt. Die Produkte wurden von mehreren Herstellern verwendet, u.a. der BASF. Leider bedeutete der Umbruch in der Unterhaltungsindustrie, der sich Mitte der 80er Jahre mit der Erfindung der Compact Disc (CD) abzeichnete, auch gleichzeitig das Ende der Carl Schneider KG, da weiterhin an den alten Produkten festgehalten wurde. 

Ein großer Verarbeiter von elastischen Kunst- und Naturstoffen war das auf dem Gelände des ehemaligen Röhr Autowerkes unmittelbar nach dem Ende des zweiten Weltkrieges eingerichtete Ordnance Depot, auch oft als Tire (Rebuild) Depot bezeichnet. Hier wurden in der Zeit von 1946 bis 1989 alle Reifen und Gleitplatten der Kettenfahrzeuge unter Verwendung von Gummi runderneuert, darüber hinaus aus verschiedenen Kunststoffen noch eine Vielzahl von elastischen Kleinteilen hergestellt. Damit wurden europaweit eine Vielzahl von Fahrzeugen der US ARMY bewegt.

Wir würden uns freuen, wenn Sie unsere Eröffnungsveranstaltung und auch die Ausstellung besuchen würden, und laden SIe hiermit herzlich zu diesem Ereignis am 16.09.2018, 15:00 Uhr, im Otto-Weber-Saal des Museums Ober-Ramstadt ein.

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„Lichtenbergs Sterne“
1777 – Entdeckung der Lichtenbergischen Figuren

 

„Ihre Sterne werden dereinst noch in der Nacht der Elektrizität leuchten“ schrieb André de Luc seinem wissenschaftlichen Kollegen und Briefpartner Georg Christoph Lichtenberg über dessen Entdeckung der nach ihm benannten Lichtenbergischen Figuren, auch Lichtenbergsche Figuren oder in neuerer Zeit Lichtenberg-Figuren genannt.
 
Durch Zufall entdeckte Lichtenberg beim Abschleifen der Harzplatte seines Elektrophors die nach ihm benannten Figuren. Er nannte sie „Staubfiguren“ oder auch „elektrische Figuren“. Mit diesen Figuren gelang ihm eine Entdeckung großer Tragweite, die von der Anwendung im modernen Trockenkopierverfahren bis zur Theorie der Fraktale reicht.
 
Lichtenbergs eigene Beschreibung über die Entdeckung der Figuren:
„Zu Beginn des Frühlings des Jahres 1777 war mein Elektrophor gerade fertiggestellt. In meinem Zimmer war noch alles voll von feinstem Harzstaub, der beim Abhobeln und Glätten des Kuchens und Deckels emporgestiegen war und sich später an die Wände und auf die Bücher gelegt hatte. Entstand eine Luftbewegung, so setzte er sich zu meinem großen Verdruß oft auf den Deckel des Elektrophors nieder. Aber erst nachdem ich den Deckel des öfteren an der Decke des Zimmers aufgehängt hatte, da geschah es einmal, daß sich der Staub auf den Kuchen niedersetzte und ich ihn nun nicht, wie es vorher auf dem Deckel geschehen war, gleichmäßig bedeckte, sondern sich zu meiner größten Freude an bestimmten Stellen zu Sternchen anordnete. Sie waren zwar anfangs matt und schwer zu sehen; als ich aber absichtlich mehr Staub aufstreute, wurden sie sehr deutlich und schön und glichen oft einer erhabenen Arbeit. Es zeigten sich bisweilen fast unzählige Sterne, Milchstraßen und größere Sonnen. Die Bogen waren an ihrer konkaven Seite matt, an ihrer konvexen Seite mannigfaltig mit Strahlen verziert. Herrliche kleine Ästchen entstanden, denen ähnlich, die der Frost an den Fensterscheiben hervorbringt; kleine Wolken in den mannigfaltigsten Formen und Graden der Schattierung und endlich mancherlei Figuren von besonderer Gestalt waren zu sehen.“
 
Georg Christoph Lichtenberg war im 18. Jahrhundert über die Grenzen Deutschlands hinaus der bekannteste Experimentalphysiker. Er beschäftigte sich mit allen Neuerungen und auch Phänomenen seiner Zeit. Die Lichtenbergischen Figuren sind jedoch die einzige Entdeckung, die seinen Namen trägt. Das Jahr 1777 – 240 Jahre nach dieser Entdeckung – ist für uns Anlass, mit einer Ausstellung darauf hinzuweisen.
 

Die Ausstellung wird vom 05.11.2017 – 28.10.2018 gezeigt.