Sonderausstellungen

„’Da kam die Rettung durch die Machtergreifung Adolf Hitlers.‘ Abiturarbeiten im Nationalsozialismus am Ludwig-Georgs-Gymnasium (Darmstadt)“

„Da kam die Rettung durch die Machtergreifung Adolf Hitlers.“ Mit diesen und ähnlichen Worten lobte der Schüler Volkmar Kohlschütter im Februar 1939 in seinem Deutsch-Abituraufsatz mit dem Thema „Mit welchem Recht kann man das dritte Reich als sozialistischen Staat bezeichnen?“ die sozialen Errungenschaften der Nationalsozialisten, beispielsweise die Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch den Bau der Autobahnen. Sein Deutschlehrer Rudolf Allmannritter bewertete die Arbeit als „ganz verständnisvolle Vorstellung der sozialen Einrichtungen des dritten Reiches“ mit der Note „befriedigend“.
Volkmar Kohlschütter war im Februar 1939 gerade 17 Jahre alt und hatte fast seine gesamte Schulzeit in einer nationalsozialistisch geprägten Bildungsanstalt verbracht. Das Ludwig-Georgs-Gymnasium (LGG) in Darmstadt konnte zwar in dieser Zeit seinen Status als altsprachliches humanistisches Gymnasium behalten, aber zu einem hohen Preis: den Lehrern und Schülern wurde unablässig bewusst gemacht, dass sie sich in einer nationalsozialistischen Schule befanden. Jede Stunde musste beispielsweise mit dem deutschen Gruß begonnen und geschlossen werden, in jeder Klasse hing ein Bild Adolf Hitlers und „Feierstunden“ dienten der Verherrlichung des nationalsozialistischen Staates. Jüdische Schüler mussten bis 1937 die Schule verlassen.
Nun haben Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Geschichte am LGG zahlreiche Abiturarbeiten des Jahrgangs 1939 transkribiert und analysiert. Sie haben sich auf die Spuren der damaligen Abiturienten gemacht, um deren Arbeiten in einen biografischen und historischen Zusammenhang zu stellen. Inwieweit spiegelt sich darin beispielsweise die ideologische Indoktrination durch die Nationalsozialisten? Schreiben alle Schüler systemkonform oder zeigen sich Ansätze zu einer neutralen bzw. sogar kritischen Haltung? Herausgekommen ist eine spannende Ausstellung, die Licht auf ein bisher wenig erforschtes Gebiet der nationalsozialistischen Zeit wirft. Ergänzt wird die Schau durch originale Objekte rund um das Thema Schule im Nationalsozialismus.
Die Ausstellung im Museum Ober-Ramstadt ist bis zum 12. Mai 2019 während der normalen Öffnungszeiten zu besichtigen.


„Lichtenberg – eine Hommage“ Illustrationen und Skizzen von Marion Vina, Göttingen

Lichtenbergs Aphorismen sind immer wieder ein Anreiz für Zeichner und Illustratoren, diese künstlerisch umzusetzen. Marion Vina gehört dazu. Sie ist Grafikerin und Illustratorin und bebildert vermeintlich Bekanntes und aktuelle Geschehen auf ihre ganz eigene ungewöhnliche Weise. Spiele mit Wort und Bild verblüffen durch neue Bedeutungen. Vielfach illustriert Marion Vina in ihren Werken Textzitate großer Satiriker wie z.B. Robert Gernhardt, Joachim Ringelnatz und viele andere. Mit Ihrem Umzug nach Göttingen wurde sie auch auf Georg Christoph Lichtenberg aufmerksam und hat mittlerweile fast 200 seiner Aphorismen bebildert. Es ist ihr ein ganz besonderes Anliegen, am Geburtsort von Georg Christoph Lichtenberg ihre Bilder zu zeigen.

Das Museum Ober-Ramstadt zeigt im Lichtenberg-Zimmer eine kleine Auswahl aus dem Lichtenbergzyklus von Marion Vina aus Göttingen.

Die Eröffnung der Ausstellung fand am 10. März 2019 in Anwesenheit der Künstlerin im Museum Ober-Ramstadt statt. Sie ist bis zum 08. März 2020 während der normalen Öffnungszeiten zu besichtigen.